Weit zurück, nämlich zu Beginn des 17. Jahrhunderts, können wir den Brauch des heutigen Schützen- und Volksfestes in Fallersleben belegen.

1603 erfahren wir aus einer Abrechnung des Magistrats u.a. vom „Vogelschießen“. Mit der Armbrust schossen wehrfähige Männer nach dem Vogel auf der Stange um Königswürden. Der tiefere Sinn dieser „Übungen“ entstand aus der Tatsache heraus, dass aufgrund unsicherer Zeiten (Krieg etc.) das Bedürfnis gegeben war, die Familie, Hab und Gut zu schützen. Landesherrliche Verordnungen befahlen als Nachweis der Wehrfähigkeit, des Waffenbesitzes und deren Zustand sogenannte „Musterungen“. Das Ratsbuch von 1547 zählt im Jahre 1607 u.a. auf, was zum Heergewäte eines Mannes gehörte: Stiefel, Sporen, ein Schwert, eine Büchse (Gewehr) oder ein Spieß, .... Heergewäte stellten, ursprünglich ein alters her fester Brauch, die Kriegsausrüstung und damit die Heeresverpflichtung eines Verstorbenen vom nächsten männlichen Erben zu übernehmen, dar.
Die Musterrolle von 1615 verzeichnet für Fallersleben incl. der sechs Dörfer des „Grevenlah“ 150 Schützen und 90 Hellebardisten unter Aufsicht eines fürstlichen Hauptmannes. Solche Waffenträger waren es, die nicht nur den Umgang mit der Waffe, sondern auch das Schießen übten und zum Vergleich, in Verbindung mit der Durchführung einer festlichen Veranstaltung (Schützen- und Volksfest), herausforderten. Diese Männer sind wohl als Vorläufer unseres heutigen Schützenwesens anzusehen.                        

Die durchgeführten Freischiessen (d.h. der beste Schütze erhielt auf ein Jahr Abgabenfreiheit) sowohl auf den Vogel als auch auf  die Scheibe dokumentieren diese Tätigkeiten unter Leitung und Bestätigung des jeweiligen Amtmannes auf Bitten des Magistrats. Als Preise wurden u.a. „Zinnernes Zeug“ ausgelobt, als äußeres Zeichen die Königskette.

1705 erhält der beste Mann vor der Scheibe 10 Thaler statt der „Contributions-Freiheit“ (Freiheit von der Kriegssteuer) als Preis. 1761 ist in den alten Unterlagen erstmals von der „Schützenwiese“ die Rede. Der jeweilige Schützenkönig durfte diese Wiese, die in der Nähe von Stellfelde lag, nutzen. Dieser Brauch erhielt sich bis in das 20. Jahrhundert hinein.

Die Dreierbindung „Amtmann“ als Vertreter der Landesregierung, „Bürgermeister“ und „Bürgerschaft“ blieb nicht immer ohne Spannungen. Nur zwei Beispiele seien hier wiedergegeben:
In einem kurfürstlichen Reskript von 1710 bestand die Regierung zu Hannover auch in Fallersleben auf einer gänzlichen Einstellung des öffentlichen Scheibenschießens mit der Begründung, dass solche Feste zum Gesöff und anderen liederlichen Händeln Anlass gegeben hätten. Jedoch wurden offensichtlich weiterhin Schützenfeste gefeiert und das Pfingstbier aufgelegt.
Abrechnungen des 18. Jahrhunderts geben Zeugnis darüber ab und spiegeln auch Abläufe und Regeln solcher Feste wider.

Zum Eklat zwischen Bürgerschaft und Bürgermeister kam es 1765. Es wurde Klage beim Amtmann erhoben, dass der damalige Bürgermeister Kerll und der „Ratsverwandte“ (Beigeordneter) Spannuth unrechtmäßig 16 der ältesten Schützenschilde veräußert hatten. Der Tradition nach musste der Sieger des Freischießens zum Andenken der Bürgerschaft ein silbernes Schild verehren. Der Rechtsstreit ging aus wie das „Hornburger Schießen“: Der Bürgermeister zahlte den entstandenen Schaden und die Bürgerschaft gab das Geld zu „treuen“ Händen des Mannes, der den angerichteten Schaden verursacht hatte, allerdings gegen Quittung mit Unterschrift und Siegel.                              

Im Laufe der Zeit (17./18. Jahrhundert) wandelten sich die Gepflogenheiten der Städte und Gemeinden, ihre militärischen Selbstverteidigungen durchzuführen. Mit Beginn des Absolutismus übernahm der Landesherr in Form eines stehenden Heeres diese Aufgaben.

Schützenbruderschaften bzw. -gilden avancierten zu gesellschaftlichen Vereinigungen, wahrten und pflegten weiterhin die überlieferten, festlichen Traditionen. Im Flecken Fallersleben wurden ebenfalls Schützen- und Volksfeste nach althergebrachter Weise gefeiert.
Von der Unterbrechung der Freischießen während der napoleonischen Besetzung erfahren wir aus einem Brief des Bruders Heinrich Hoffmanns, Daniel, aus dem Jahre 1811. Erstmals nach neun Jahren wurde wieder das „solenne“ (feierliche) Schießen gehalten, wobei sein Vater, noch ganz unter frankophilem Einfluss stehend, das junge Schützencorps als „General en Chef des Corps“ anführte.

Im Jahre 1817 stiftete der Amtmann Franck dem „jungen Schützencorps“ eine neue Fahne, obwohl die Männer des „alten Schützencorps“ ein größeres Recht darauf gehabt hätten. Fahnenstange mit Widmung sowie die Festrede sind uns erhalten geblieben.

Die älteste Schützenordnung stammt aus dem Jahre 1840 und wurde von der Bürgerschaft beschlossen. Allerdings wurde 1861 nach einer nicht mehr bekannten Schützenordnung vom 03.07.1743 geschossen. Von den abgegebenen drei „freien Schüssen“ für den Landeskönig war einer der beste Schuss. Somit wurde gemäß der alten Schützenordnung der regierende Landeskönig (Georg V.) Schützenkönig in Fallersleben. Zum Andenken verehrte dieser dem Bürgerschützencorps ein silbernes Brustschild.

Das Königreich Hannover wurde 1866 von Preußen annektiert und verlor damit seinen Status. Als im Jahre 1881 der Bürgermeister Mumme den nunmehr preußischen Landesherrn zum Schützenfest nach Fallersleben einlud, versprach er ihm, er würde „... Leben wie Gott in Frankreich“. Mumme war übrigens ein eifriger Förderer des Schützenfestes.

Und so zogen sich die Bräuche zum Fest weiterhin, lediglich von kleinen Abänderungen im Ablauf, wie ein roter Faden durch die Jahrzehnte. Nach den Unterbrechungen zu Zeiten der Weltkriege entfachte sich aber jedes Mal wieder das Bedürfnis in der Bevölkerung, miteinander ein gemeinsames Volks- und Schützenfest zu feiern. 

 

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